Der Teufel lacht

Die letzten Tage waren hart. Als vermeintlich starke Frau möchte ich mir nicht zu sehr anmerken lassen, was in mir vorgeht. Diese Fassade zu wahren fällt zwischen unreiner Haut, viel zu wenig Schlaf und permanenter Übelkeit nicht leicht.

Es ist ja nicht so, dass du mich einfach nur betrogen hast – damit hätte ich schon irgendwie umgehen lernen können. Aber das es ausgerechnet eine Arbeitskollegin sein musste, die ich zudem ganz gut kenne… mir wird schon wieder schlecht.

Die andere Frau sei wohl in einer unserer zahlreichen Krisenphasen entstanden. Da werde ich mich jetzt mal nicht so anstellen. Aber diese eine Frau. Warum musste das sein? Ich brauche es für mein Ego einen absurden Vergleich anzustellen:

Sie hat den ganzen Mund mit irgendwelchen Piercings bestückt. Ich hab mich immer gefragt, ob die Männer, die sie knutscht, ein Leben lang an sie gebunden bleiben, weil sie in diesen Dingern hängen bleiben? Wenn sie redet ist das ungefähr so, als würde man Donald auf den Entenschwanz treten und das entstehende Geräusch in Slo-Mo wiedergeben. Ob ihre Brüste größer sind als meine, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen. Vermutlich schon. Schließlich ist das ja keine Heldentat. Okay… Mein Humor bringt mich nicht weiter. Die Sekretärin im Büro. Das Klischee klopft an.

Ich frage mich permanent, was sie hatte, was mir fehlt? Deine Antwort war:

„Nichts. Sie war einfach und leicht zu erreichen. Keine komplizierten und mental herausfordernden Gespräche. Im Bett konntest du sie drehen und wenden, wie du es gerade gebraucht hast.“

Das war der Schlag vor den Kopf per SE. Ich dachte immer, Männer wünschen sich eine halbwegs gebildete Gespielin? Ich meine, machen wir uns nichts vor. Wir leben im Jahr 2017: Es gibt kaum etwas leichteres für einen halbwegs vernünftig aussehenden Mann, als eine Frau zu finden, die sich schnell und unkompliziert flach legen lässt, danach keine Fragen stellt und auch sonst keinen Hintergrund vorweist. Aber das ausgerechnet ich als Gehörnte aus genau dieser Geschichte herausgehe… Mein Selbstwertgefühl bleibt weiterhin unauffindbar.

Natürlich weiß ich, dass es zu leicht und zu simpel gedacht ist, dir die alleinige Schuld zuzuschieben. Seien wir doch ehrlich zueinander: Ein Mann in meinem Leben, muss erst einmal einen Platz in unserer riesigen Patchworkfamilie finden – denn bei uns mögen sich Vater und Mutter weiterhin, auch wenn sie nicht mehr unter einem Dach leben. Das hat den Vorteil, dass ich eben nur halb alleinerziehend bin, denn die andere Hälfte der Zeit kümmert sich Papa um sein Kind. Doch auch in meiner kindfreien Zeit arbeite ich konsequent daran, es im Job zu Ruhm und Ehre zu bringen. Das braucht viel Zeit und Biss. Kräftezehrend ist es auch. Abends kümmere ich mich um meinen Hund und meine Katze: Mein Familienersatz, wenn mein kleiner Haustyrann mal nicht bei mir weilt. Mein Haushalt möchte auch umsorgt werden, während ich zusehen muss, in meiner kindfreien Zeit Kraft zu schöpfen für die darauffolgende Woche. Die besteht daraus, um 05:30 Uhr aus dem Bett zu krauchen und meine wohligen 4 Wände frühestens 11 Stunden später wieder zu betreten. Auch dann sind Haushalt, Hund, Katze, Hausaufgaben und Gute-Nacht-Rituale da, die meine Aufmerksamkeit fordern.

Sorry. Aber in diesem Lebensstil kann ich nicht 100 Prozent in allen Bereichen liefern. Für die feinfühlige Partnerin, die alles richtig macht und dem Mann Wünsche von den Lippen abliest um abends noch die dreckige Hure im Bett zu geben, fehlen mir einfach die nötigen Ressourcen.

Das es sich hier nur zum Teil um nicht zu ändernde Umstände handelt, ist mir durchaus bewusst. Die Entscheidung für meine Prioritäten habe ich selbst getroffen. Ich bin autark und selbstständig. Ich weiß ziemlich genau, wo ich im Leben hin will und solange ich mein Ziel nicht erreicht habe, werde ich weiter daran arbeiten. Die Leiche, die ich Mal um Mal dafür verbrennen muss, ist eine intakte Partnerschaft.

Vielleicht liegt darin auch die Erklärung, warum es nun schon das dritte Mal infolge ist, dass meine Beziehung durch fremdgehen den Bach runter geht. Nur gibt es einen Unterschied zu deinen Vorgängern: Bei dir tut es so richtig weh, weil ich dachte, dass du ehrlich und Mann genug bist, offen mit mir zu reden. Oft genug habe ich dir das sogar aktiv angeboten ,weil ich genau weiß, dass Monogamie nur in 50 Prozent der Beziehungen funktioniert. Ein Wort. Ein Hinweis. Damit hätte ich die Wahl gehabt. Natürlich wäre ich gegangen. Aber ehrlich, sauber und in Würde.

Jetzt bin ich einfach nur dreckig und beschmutzt. Mit mikroskopisch kleinen Bakterien und Molekülen von Frauen, die ich nicht kenne und zu denen ich keinen Bezug habe. Dennoch sind diese Ladys in meinen Kopf eingezogen. Dort treiben sie mit dir ihr Unwesen: Vor meinen Augen. In allen erdenklichen Konstellationen ohne das ich auch nur eine Chance habe, das Ganze zu beeinflussen.

Alle Versuche mit innerlichen STOP-Schreien dem Spuk ein Ende zu setzen scheitern. Spätestens in der Nacht sind sie wieder da. Daneben sitzt mein kleiner welterfahrener Teufel auf einem Stuhl, mit Popcorn und Cola in der Hand. Während ihm die Krümel mit jedem Satz aus dem Mund fallen, zeigt er mit dem Finger auf mich und lacht mich höhnisch aus:

Fiehft du, hab eff dir doch die ganfe Feit gefagt! Aber du wollteft ja nifft hören!!!

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