(M)ein Résumé

Fast ein halbes Jahr ist mittlerweile vergangen, seit meiner wohl schmerzhaftesten Erfahrung im Jahr 2017. Manchmal ertappe ich mich selbst dabei, wie ich mir die Frage stelle, wie es denn nun ist seit meiner Entscheidung meine Beziehung nicht wegzuwerfen. Manchmal würde ich gern selbst ein Résumé ziehen, stelle aber regelmäßig fest, dass das gar nicht geht. Oft habe ich von anderen mit ähnlichem Schicksal den Satz gelesen oder gehört: „Es hört nie auf.“ oder: „Man wird immer wieder daran erinnert“. Da dachte ich noch das wären die üblichen Floskeln und Metaphern, die man so um sich wirft nach so einem Erlebnis.

Aber tatsächlich weiß ich mittlerweile selbst, dass diese Sätze ganz genauso gemeint sind wie sie da in Schrift und Wort stehen. Denn ganz genau so fühlt es sich auch an. Mal läuft es ein paar Tage gut, dann klopft die Erinnerung plötzlich wieder an. Das kann ein paar Stunden so gehen, manchmal aber auch ein paar Tage. Zusätzlich erschwerend empfinde ich die Tatsache, das sein Ausrutscher in meiner Firma arbeitet. Die Situation eines persönlichen Aufeinandertreffens blieb mir bisher Gott sei Dank bis auf ein einziges Mal erspart. Ihren Namen des Öfteren zu lesen oder ihr Bild irgendwo zu sehen jedoch leider nicht. Das reißt jedes Mal wieder die Erinnerung wieder auf, die ich so gern zu vertuschen versuche.

So hört es leider wirklich nie auf im Herzchen zu pieksen und zu rumoren. Die Krux an der Sache ist, das man als Betrogene oder Betrogener irgendwann den Absprung aus der Opferrolle schaffen muss. Natürlich ist es verführerisch und verlockend ewig im „Du bist Schuld und ich die Arme“ Gesudel zu versinken, es bringt beide Parteien aber keinen Schritt weiter. Irgendwann muss man aus dieser Rolle raus, sonst hat man wenig Chancen die Beziehung weiter voranzubringen – vor allem in ruhigere Fahrwasser. Das empfinde ich als besonders schwierig, wenn ich gerade wieder unter einem akuten Erinnungsflashback leide. Größtenteils behalte ich das mittlerweile auch für mich und erzähle ihm nichts mehr davon. Sonst würde ich wohl alle paar Tage einen mittelmäßigen Divenanfall erleiden mit der Begründung, das ich sie gesehen, gehört oder gerochen habe. Das geht natürlich auch nicht.

Unterm Strich bin ich trotz alledem weiterhin Befürworter meiner Entscheidung. Neulich habe ich einen Artikel gelesen, den ich sehr interessant fand: Es ging darum, dass es eine Illusion ist, irgendwann die perfekte Liebe zu finden bei der alles von Beginn an perfekt ist und passt. Runtergebrochen war der wesentliche Content des Artikels, dass Liebe nur mit schönen, aber auch schwierigen Zeiten größer werden kann. Nur die wirklichen Talfahrten bieten die Chance für ein Paar zu wachsen und gemeinsam als Einheit in völlig neue Tiefen vorzudringen. Zugegeben etwas sehr poetisch – aber auch das ist eine dieser Floskeln, die keine Floskel sondern ernst zu nehmende Tatsache ist.

Wenn mich jemand also fragen würde, ob man nach einer Affäre oder einem Seitensprung des Partners weitermachen oder alles wegwerfen soll, würde ich wahrscheinlich folgendermaßen antworten:

Wenn du diesen Menschen wirklich, wirklich liebst und deine Gefühle ehrlichen Ursprungs sind, dann schau dir an, wie sich dein Partner oder deine Partnerin nach dem Coming-out dir gegenüber verhält: Ist da wirklich ehrlich gemeinte Reue? Gibt sich die Person Mühe dir zu zeigen, wie wichtig du ihr bist? Ist da ehrliche Bereitschaft, etwas zu verändern – von beiden Seiten aus? Wenn das gegeben ist bin ich fest davon überzeugt, dass man über eine Chance für die Partnerschaft nachdenken sollte. Voraussetzung ist meiner Meinung nach vor allem, das beide bereit sind etwas zu verändern. Sobald einer nicht mit am Strang zieht, haben alle Bemühungen wenig Sinn. Denn eines sollten wir alle im Hinterkopf behalten – so schmerzhaft es auch ist:

Wenn dein Herzblatt in anderen Betten wühlt, könnte das auch etwas mit dir selbst zu tun haben!

 

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