Pinky und die Einsamkeit

Ich bin heute in den Weiten der Internetwelt einer Bilderstrecke begegnet, die mich sehr berührt hat. Die Künstlerin Yaoyao Ma Van As hat die Zeit, in der sie allein mit ihrem Hund gewohnt hat in wunderschönen Bildern festgehalten. Während ich die Bilder auf meinem Handy von links nach rechts geschoben habe, machte sich in mir ein wohliges und warmes Gefühl breit. Erinnerungen wurden wach an Nächte, in denen ich vor meiner großen Fensterfront im Mondschein saß und einfach nur die Schönheit der Nacht bewunderte. Bilder in meinem Kopf, in denen ich nach Feierabend bei Kerzenschein eine Folge Gilmore Girls nach der anderen gesehen und dabei meinen Wortsalat in die digitale Welt geschrieben habe. Erinnerungen an eine Zeit, in der ich hin und hergerissen war zwischen einer komplizierten Beziehung und doch genau dadurch der richtigen Portion Einsamkeit für mich.

Einsamkeit ist so ein trauriges Wort. Dabei muss Einsamkeit gar nicht traurig sein. Früher habe ich nicht unbedingt Positives damit verbunden. Heute sieht das anders aus. Ich mag die Einsamkeit. Ich liebe die warmen lauschigen Momente, in denen ich nur mit mir und meinen Haustieren in meinen vier Wänden bin und außer dem Atem meines alten Hundes kein Geräusch zu hören ist. Die Stille tut mir gut und hilft mir dabei die nötige Ruhe zu finden die ich brauche um gesund und kreativ zu bleiben.

Der Weg zu dieser Erkenntnis war ganz schön lang und steinig. Vom Leben und meinem naiven Leichtsinn von einem Partner zum nächsten getrieben hatte ich nie Zeit mich nur mit mir selbst auseinanderzusetzen. Der Gedanke ganz allein ohne jemand anderen zu sein, der am liebsten permanent an meiner Seite ist beunruhigte mich. Irgendwann nahm das so große Ausmaße an, dass mir erst bei der wohl schlimmsten Trennung meines Lebens klar wurde, wie groß meine Angst vor der Einsamkeit tatsächlich war. Der Gedanke bald allein für mich und mein Kind sorgen zu müssen machte mich verrückt. Ich dachte, dass es allein unmöglich wird das Leben und den Alltag mit all seinen Herausforderungen zu bestreiten. Heute könnte ich mich herzlich selbst dafür auslachen. Tatsächlich stellte sich nach einer gewissen Eingewöhnungszeit heraus, dass es für mich nichts schöneres gibt, als ganz allein zu sein. Von der Planung des Tages über das Aufräumintervall der Wohnung bis hin zu meinem Hang zum Gedankenwälzen war die Einsamkeit das größte Geschenk, dass ich mir selbst machen konnte – oder das mir das Schicksal machen konnte. Natürlich steckte dahinter ein straffes Zeitmanagement, ohne das ich ziemlich sicher schnell an meine Grenzen gekommen wäre. Aber der Preis dafür war mehr als lohnenswert.

Nun haben sich die Zeiten wieder geändert. Meine bessere Hälfte ist mittlerweile bei mir eingezogen und immer häufiger spüre ich, wie sich ein Engegefühl um mich herum ausbreitet weil mir die Zeit nur mit mir selbst fehlt. Wenn er nach der Arbeit zum Sport geht ist das für mich die einzige Gelegenheit meine Sucht nach Stille zu befriedigen. So ganz genau kann ich mir selbst nicht erklären, warum mein Bedarf nach Ruhe und Zeit für mich so ausgeprägt ist. Ich weiß nur das mein mitfühlendes Wesen im Alltag nicht immer nützlich ist wenn es all die Stimmungen und Gefühle um mich herum in sich aufsaugt. So intensiv das Leben zu fühlen empfinde ich manchmal als sehr anstrengend. Auch turbulente Lebensphasen tragen sehr dazu bei, das mein Ruhebedürfnis steigt.

Aktuell befinde ich mich in der äußerst unschönen Situation an eine Führungskraft geraten zu sein, die ganz offensichtlich mit sich selbst nicht im Reinen ist und ihre Defizite durch das Ärgern von Mitarbeitern auszugleichen versucht. Jeden Tag diesem Psychospielchen Stand zu halten ist nicht einfach. So gern würde ich ihr ins Gesicht sagen, das sie nichts weiter als eine arme Wurst ist, die ihr unbefriedigendes Leben durch vermeintliche berufliche Höhenflüge aufhübschen muss um am Ende ihrer Reise festzustellen, dass ihr das auch keinen Blumentopf einbringen wird. Meine Fähigkeit als Querulant von Welt Menschen gegen mich aufzubringen, die Wert auf Hierarchie legen ist nicht gerade hilfreich.

Aber am Ende des Tages zählt für mich der Chef, der auch die Putzfrau grüßt, seine schwachen Mitarbeiter stärker macht und bereit ist Verantwortung für die eigenen Schwachstellen zu übernehmen. Schließlich haben wir alle unsere kleinen Fehler, die am Ende keine Fehler, sondern unser Charakter sind. Dieses vehemente in Formen pressen, Persönlichkeitstypen einordnen und nach Schema F behandeln macht mich im Job echt krank. Manchmal frage ich mich, wer diese Blitzbirnen auf ihre Posten gesetzt hat. Sehr wahrscheinlich die Oberblitzbirne, die keine Lust hat auch mal Gegenwind aus den eigenen Reihen zu kassieren.

Oh ja… Wenn es um die Gestaltung mittlerer Managementebenen geht könnte ich stundenlange Vorträge halten. Allein die Tatsache das Mitarbeiter von Führungskräften als „Ressourcen“ bezeichnet werden finde ich mehr als aussagekräftig dafür, das der Mensch keinen Wert mehr hat sobald es um Gewinnmaximierung, Pareto-Prinzipien und Wirtschaftlichkeit geht. Dann wundert sich eben diese exklusive Auswahl von selbst ernannten elitären Führungskräften darüber, das die Produktivität in den eigenen Reihen sinkt, Mitarbeiter immer unzufriedener werden und beginnen Unternehmensziele nicht mehr wahrzunehmen oder gar diese noch zu boykottieren. Für mich persönlich in meiner kleinen Welt nur logische Konsequenz wenn man nicht bereit ist seine „Ressource“ als Individuum wahrzunehmen.

Nun ja. Da meine Mentalität lautet: „Nicht meckern, ändern!“ folge ich meinem Bauchgefühl und strebe die mittlere Management-Etagen-Weltherrschaft an. Die Job-Brains brauchen dringend einen Pinky. Also tritt Pinky jetzt seine Weiterbildung an um eines Tages über das nötige Know-how zu verfügen, wie die Zahlenfritzen so ticken und wie man sich ihnen gegenüber verkaufen muss. Nebenbei ziehe ich mein eigenes kleines Kindergartenteam groß, werde alles anders machen, damit sehr wahrscheinlich auf dem Hosenboden landen und schließlich wieder 3.000 Erfahrungspunkte mehr im Lebens-Bingo haben. Da ich nur einmal lebe darf ich mir diesen Spaß durchaus erlauben. Und da dieser Spaß auch noch unheimlich gut bezahlt wird werde ich meine wahrscheinlich kurze Zeit als Rebellen-Management-Pinky sehr genießen!

Fernab meiner Weltherrschaftspläne und dem kämpferischen „du spülst auch nur mit klar Wasser“-Prinzipien steht jedoch ein Mensch, der innerlich sehr zerbrechlich – beinahe fragil ist. Um den Alltag und die Herausforderungen, die mein nicht gerade leicht zu beugender Charakter mit sich bringen zu meistern brauche ich jede Menge Kraft und Biss. Und diese hole ich mir in den sinnlichen Momenten des Lebens. Nämlich den eingangs beschriebenen. Nun muss ich mir überlegen wie ich meine Beziehung mit diesem Bedürfnis nach Einsamkeit in Einklang bringen kann. Denn eines steht am Ende außer Frage:

Mein größter Energiebooster ist meine Familie und natürlich gehört mein Partner auch dazu. Vielleicht finden wir ja einen Weg zweisam einsam zu sein?!

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